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Alles easy? Fütterung für Fresser und Bullen!

Tipps von Ihrem Berater Tipps von Ihrem Berater17-2-2020

Maissilage und Kraftfutter sind oft die Hauptkomponenten in der Fresser- und Bullenmast. Das klingt einfach, trifft aber nicht immer den Bedarf für Tiere, mit denen optimale Ergebnisse erzielt werden sollen.

Vergleicht man das Leben eines Kuhkalbes mit dem eines Bullenkalbes, so fällt eines auf:
Die Reise eines Bullenkalbes, bis hin zum Endmastbullen, ist geprägt von vielen Transportwegen.
Was bedeutet dies für die Fütterung und die Gesundheit des Tieres?
Mit welchen Gefahren oder Schwierigkeiten müssen die Kälber und Bullen umgehen?

Neben dem Transportstress selbst, sind dann die 5 - 6 Wochen alten Aufzuchtkälber auf dem neuen Betrieb weiteren Stressoren und Veränderungen ausgesetzt:

  • Neue Umgebungssituation (Stall, Tiere, Keimdruck)
  • Mögliche Dehydrierung durch den Transport
  • Oft wird auf den Aufzuchtbetrieben eine geringere Menge an Milch/Tag gefüttert
  • Umgewöhnung von Vollmilch auf Milchaustauscher
  • Umstellung auf Festfutter

Bei der Einstallung der Kälber befinden sich diese in der Milchphase, somit ist das Vormagensystem des Pansens noch nicht voll entwickelt. Daher wird die Milchphase noch einige Woche fortgesetzt. Ebenso wird hier das Immunsystem und der Organismus des Kalbes stark belastet, was die Anfälligkeit für Krankheiten und weitere Stressfaktoren erhöht. Aus diesen Gründen steht nach der Umstallung auch die Krankheits-Prophylaxe und die Unterstützung des Immunsystems im Fokus.

Mit dem Wechsel von der Milchphase zur Festfutterphase haben wir den sensibelsten Teil der Fütterung von Mastkälbern erreicht. Folgende Faktoren spielen auf dem Fresser/Mittelmast bzw. auch Endmastbetrieb eine große Rolle und bestimmen maßgeblich, wie sich die Gewichtszunahmen entwickeln:

  • Der Futterwechsel von Milch auf Festfutter: Teilweise ist nicht bekannt, was die Aufzuchtkälber vorher gefressen haben (neben der Milch)
  • Phasenfütterung teilweise falsch/nicht passende Rationszusammenstellung
  • Stress durch neue Umgebungssituation/veränderter Keimdruck

Was ist der Knackpunkt bei der Umstellung von Milch auf Festfutter?

Marcel Witthaut: „Im Endeffekt sind alle Kälber gleich! Sie können nasse Silagen, egal ob Gras- oder Maissilage, sehr schlecht verdauen, da der Pansen einfach noch nicht so weit ist. Eine weitere Problematik, die dieses unterstützt, ist die Fütterung von sehr stärkereichen Kraftfuttern.“

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Marcel Witthaut: „Im Endeffekt sind alle Kälber gleich! Sie können nasse Silagen, egal ob Gras- oder Maissilage, sehr schlecht verdauen, da der Pansen einfach noch nicht so weit ist.“

Der Pansen muss sich erst entwickeln

Bisher sind die Kälber nur die im Magen verdaute Milch gewöhnt. Für die Verdauung von Grundfutter ist vorallem der Pansen von großer Bedeutung. Die Pansenzotten sind bei Kälbern noch gar nicht soweit ausgebildet, als dass sie nasse und gleichzeitig säurereichen Futter verdauen könnten. Im Prinzip ist das Füttern von Kuhkalb und Bullenmastkalb sehr ähnlich: Die Rohfaserversorgung muss stimmen!

Nur so kann eine optimale Pansenentwicklung und später eine effektive Ausnutzung der vorgelegten Ration gewährleistet werden. Gleichzeitig wird so eine Senkung der Kraftfuttermenge und dadurch auch eine Ersparnis bei den Rationskosten erreicht.

Eine Möglichkeit ist zum Beispiel am Anfang täglich 6 – 8 Liter Milch (VITAMilk Beef, 30% MMP) aus der Transpondertränke zu füttern und den Kälbern in den ersten drei Tagen kleingehäckseltes Stroh zur freien Verfügung zu stellen, um die Bildung der Pansenzotten zu stimulieren.

Was passiert bei nassen Silagen und sehr stärkereichen Kraftfuttern?

Nasse Silagen haben die Eigenschaft den Pansen schnell zu durchlaufen. Durch die sehr hohen Passageraten durchläuft das Futter nur teilweise oder unverdaut den Verdauungstrakt. In Verbindung mit Kraftfutter bedeutet das eine hohe Belastung des Organismus mit Säuren, die zu einer akuten oder subakuten Azidose führen. Hinzu kommt, dass Kälber mit unausgereiftem Pansen weniger in der Lage sind die Säuren über die Zotten der Pansenwand abzutransportieren. Bei zu hohem Gehalt an leicht löslichen Kohlenhydraten (Stärke) wird auch ein Teil der Stärke nicht verdaut und gelangt unabgebaut bis in den Dickdarm, wo die Nachfermentation der unabgebauten Futterbestandteile den Dickdarm übersäuert (Dickdarmacidose). Die daraus folgende Beschädigung des Darmepitels führt schließlich zu Durchfällen und einem hohen Risiko für Infektionen z.B. durch Kokzidien.

Wie sehen solche Kälber aus oder wie kann ich sie erkennen?

Marcel Witthaut: „Je instabiler die Kälber in ihren verschiedenen Wachstumsphasen sind, desto anfälliger sind sie für Stresssituationen und erhöhten Infektionsdruck. Kälber die Probleme rund um die Umstallung und das Umstellen der Fütterung aufweisen, zeigen oft ein stumpfes und langes Haarkleid, sind sehr krankheitsanfällig (Lungenerkrankungen, Dünnkot). Auch machen sich geringe Zunahmen und vermehrte Gelenk- und Klauenprobleme bemerkbar.“

Fazit

Die Fresseraufzucht bildet den Grundstein für eine erfolgreiche und gesunde Bullenmast. Besonders die behutsame und akkurate Entwöhnung der Tiere von der Milch ist von hoher Bedeutung. Der Pansen muss durch genügend feines Stroh (minimale Teilchenlänge 3 - 4 cm) die Möglichkeit bekommen, die Pansenzotten gut auszubilden, um sich an die neue, strukturreiche Ration zu gewöhnen. Dies benötigt ein gutes Auge für die Tiere und deren Gesundheit. Durch die vielen Transporte und Stationen, die die Kälber bis hin zum Endmastbetrieb durchlaufen, muss eine stabile und gesunde Fütterung Voraussetzung sein - Denn ungesundes Füttern ist teuer, nicht nur in Bezug auf die Rationskosten.

Auch in der Fresser- und Bullenmast gilt: Die Gesundheit der Tiere entscheidet über die Leistung und ihren Erfolg.

Kommen Ihnen manche dieser Punkte bekannt vor? Melden Sie sich gerne!

Marcel Witthaut, Spezialberater Fresseraufzucht und Bullenmast
Mobil: 0151 539 370 24
Mail: marcel.witthaut@forfarmers.eu