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Das Gespräch: „Nachhaltigkeit kennt keine Endstation, es ist ein kontinuierlicher Prozess“

15-2-2021

Nick Major im Gespräch mit José Aalders, Mitarbeiterin bei Total Feed Support Schweine & Geflügel

Bei ihrer täglichen Arbeit bei Total Feed Support in Heijen (NL) ist José Aalders mitverantwortlich für die Planung von dutzenden Frachten flüssiger Nebenprodukte, die jeden Tag hauptsächlich an Schweinebetriebe gehen. Die Restströme stammen aus der Nahrungsmittelindustrie und werden als Futtermittel verwertet. „Ich bin ein kleiner Baustein eines kompletten Kreislaufsystems“, berichtet José. Allerdings tut die Tochter eines Landwirts weit mehr. So war sie an der Gründung des internen Nachhaltigkeitsnetzwerks für ForFarmers-Mitarbeiter beteiligt. Nick Major hat mit ihr gesprochen.

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Nick Major vom UK im Gespräch mit José Aalders in den Niederlanden

Food- und Agrarbranche bleiben interessant

Nick: „Ich beginne mit meiner feststehenden ersten Frage: Was bedeutet Nachhaltigkeit konkret für dich?”
José: „Ich finde, das ist eine schwierige Frage. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, wenn man nachhaltige Entscheidungen treffen möchte. Aber es wird dich nicht erstaunen, dass ich mich als Tochter eines Landwirts vor allem für die Lebensmittel- und Agrarbranche interessiere: nachhaltigere Lebensmittelproduktion und bewusstere Verbraucherentscheidungen.“
Nick: „Das wurde dir also von Geburt an eingeimpft?“
José: „Nein, das nun auch wieder nicht, eigentlich hatte ich nach der Schule erst mal genug vom Bauernhof und habe angefangen, Freizeitmanagement zu studieren. Doch was man im Blut hat, lässt sich nicht verleugnen. So landete ich doch immer wieder in der Food- und Agrarbranche. In meinem letzten Job habe ich viele Projekte an der Schnittstelle Landwirte-Verbraucher-Nahrungsmittel betreut. Und für die Gemeinde Berg & Dal, in der ich wohne, habe ich Inspirationstreffen mit lokalen Unternehmern organisiert, um ein Brainstorming über regionale Produkte durchzuführen. Der Kontakt zu den Landwirten hat mir dabei besonders gut gefallen.“

Sind dem Wachstum Grenzen gesetzt?

Nick: „Ich bemerke hier bereits sehr viele Aktivitäten in Sachen Nachhaltigkeit! Erinnerst du dich noch, wann der Groschen tatsächlich gefallen ist?“
José: „Der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass mir Nachhaltigkeit wichtig ist, war 2015 bei einer Theatervorstellung über Sicco Mansholt, einen ehemaligen Landwirtschaftsminister der Niederlande. Die Vorstellung fand in einem Auslaufstall auf einem Bauernhof statt. Die Geschichte ist den meisten Niederländern bekannt: ‚Nie mehr Hunger‘ war der Ausgangspunkt der Landwirtschaftspolitik von Mansholt in der Nachkriegszeit. In dem Theaterstück blickt er am Vorabend seines Ruhestands auf die Folgen zurück – Butterberge, Milchseen, Schaden an Natur und Umwelt – und distanziert sich von seiner eigenen Politik. Ab diesem Zeitpunkt fragte ich mich immer öfter: Sind dem Wachstum Grenzen gesetzt und kann ich mich mit genug zufrieden geben?“
Nick: „Wie äußert sich das in deinem Alltag?“
José: „Oft sind es die kleinen Dinge. Müll trennen, natürlich, und ich versuche, weniger Plastik zu verwenden. Heutzutage kann man ‘Shampoo bars’ kaufen, das ist Shampoo in fester Form, wie ein Stück Seife. Und das macht ganz schön viel Plastik aus. Aber ich versuche auch, Menschen darauf aufmerksam zu machen, und suche zum Beispiel das Gespräch über Lebensmittelverschwendung. Alles gleichzeitig geht nicht, aber ich glaube daran, dass man mit kleinen Veränderungen einen großen Unterschied ausmachen kann.“

Alles begann mit einer Tasse Kaffee

Nick: „Bei ForFarmers warst du an der Gründung des internen Botschafternetzwerks für Nachhaltigkeit beteiligt. Wie ist es dazu gekommen?“
José: „Ich wollte bei meiner Arbeit gerne etwas mit Nachhaltigkeit tun und habe daraufhin einfach Anouk, unsere damalige Nachhaltigkeitsmanagerin, angerufen, um einen Kaffee zusammen zu trinken. Nach dem Gespräch mit ihr kam ich voller Energie und toller Ideen nach Hause. Mit einer dieser Ideen haben wir gleich losgelegt: Gründung eines Nachhaltigkeitsnetzwerks bei ForFarmers, eine Plattform zum Teilen von Kenntnissen und zur Bündelung von Initiativen aus dem gesamten Unternehmen. Wir hatten bereits ziemlich schnell eine ordentliche Gruppe beisammen, inzwischen sind wir 44 Botschafter aus vier Ländern.“
Nick: „Mir gefällt es, dass diese Idee sozusagen am Arbeitsplatz entstanden ist. Seit dem Weggang von Anouk bin ich das gemeinsam mit dir angegangen. Daran musstest du dich vielleicht erst mal etwas gewöhnen.“
José: „Haha, ja allerdings, plötzlich fand alles auf Englisch statt, das geht dann doch nicht so einfach von der Zunge.  Aber so vermeiden wir auch, dass es eine rein ‚niederländische Party’ wird. Und natürlich ist es echt toll, dass du als Director Corporate Affairs und ich von Total Feed Support gemeinsam an einem Projekt arbeiten, obwohl wir sonst mit ganz unterschiedlichen Sachen beschäftigt sind.“

Vielfalt ist die Stärke des Netzwerks

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Nick: „Was würdest du mit dem Netzwerk gerne erreichen?“
José: „Nachhaltigkeit kennt keine Endstation, es ist ein kontinuierlicher Prozess, an dem wir alle beteiligt sind. Ich hoffe, diesen Prozess etwas zu beschleunigen und vielleicht etwas zu lenken. In der Landwirtschaft geht es häufig um intensiv versus extensiv. Diese Diskussion verkennt die Vielfalt der Branche und suggeriert, dass es eine Lösung gibt. Vertieft man sich in die jeweiligen Perspektiven, entsteht ein anderes Spielfeld mit neuen Verbindungen und Chancen der Veränderung. Es ist toll, dass wir mit diesem Botschafternetzwerk neue Verbindungen knüpfen können. Man muss überhaupt kein Experte sein. Gerade diejenigen, die weniger darüber wissen, bringen oft frische Ideen. Die Stärke des Netzwerks liegt auch in der Vielfalt der Gruppe. Dies kann uns gegenseitig nur stärken. Bei ForFarmers beschäftigen sich bereits viele Leute mit Nachhaltigkeit: Ich hoffe, dass wir einander inspirieren und mit diesem Netzwerk zu Veränderungen anregen können, aber auch dass unsere Nachhaltigkeitsstrategie Going Circular weiter belebt wird.“

Nick: „In nächster Zeit stehen bereits ein paar tolle Sachen an, wie beispielsweise ein Inspirationstreffen mit Arthur van Och, unserem Director Supply Chain. Darauf freue ich mich. Aber noch mal zurück zu Going Circular: Wie schlägt sich ForFarmers deiner Meinung nach im Bereich der Nachhaltigkeit?“
José: „Ich finde es super, dass ForFarmers beschlossen hat, dabei eine führende Rolle einzunehmen, Hand in Hand mit unseren Kunden. Es ist unmöglich anno 2021 eine Ernährungsvision zu entwickeln, hinter der alle stehen. Jeder hat eine eigene Meinung dazu und trifft Entscheidungen: biologisch, regional, vegetarisch oder doch der Preisknaller. Die Strategie zeigt, in welche Richtung wir uns bewegen möchten, aber der Dialog bleibt am wichtigsten. Auf diese Weise können wir tatsächlich einen Unterschied ausmachen. Und wir machen natürlich auch schon viel. Ein gutes aktuelles Beispiel finde ich den generalüberholten Tankauflieger.“

Essen mit Geschichte

Nick: „Sprichst du mit deinen direkten Kollegen auch über Nachhaltigkeit?“
José: „Durch Corona ist es schon etwas schwieriger, darüber im Gespräch zu bleiben. Aber ich teile natürlich bereits interessante Artikel und Dokus. Außerdem: Essen verbindet, jeder mag gutes Essen. Ich mag Essen mit Geschichte, zum Beispiel regionale Produkte oder traditionell zubereitete Speisen. Ein gutes Restaurant, ein inspirierender Chefkoch, ein toller Ort zum Mittagessen, so etwas teile ich gerne. Und das Tolle ist: Ohne die Landwirte haben die Köche nichts zum Rocken. Dadurch schließt sich der Kreis wieder!“

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José auf dem Milchviehbetrieb ihrer Eltern